Fabian Hennig – Transformations of Masculinity and Politics of Contraception

English

If the developer of a sperm valve wears this valve on his own testicles and gets high media attention, if the biggest magazine for men impatiently asks: “When will the male pill finally be available?” (Men‘s Health Germany, 2008), if manifestoes demand new male contraceptives, does this challenge the stereotypical assumption that contraception is women’s business? Can the “change of masculinity” observed in late modern societies also be diagnosed for the area of pregnancy prevention? Is the male relation to one’s own fertility and body changing?

The research on hormonal methods (male pill, hormonal injections and implants) as well as on non-hormonal approaches (medications, reversible vasectomy, sperm valves) started as early as in the 70s and 80s. Even though the efficacy of some of these approaches was proven, there is no marketable product yet. The recurring reasons for premature termination of studies cast doubt on the “change of masculinity”: Men are pictured as indifferent or not trustworthy, shy towards doctors and scared of side effects. Is hegemonic masculinity still opposed to a change in relation to contraception? Are men so worried about their (reproductive) virility that they prefer to delegate the prevention of pregnancy to their partners?

I am investigating the changing construction of masculinity within the current discourse on male contraception thereby focussing on the following questions: First: How are masculinity and gender relations constructed in Manifestos demanding new male contraceptives? Has the male self and its relation to its body altered? Do the manifestatoes imply more mutually caring and equal gender relations? Second: which perceptions of masculinity, femininity, male identity and body come into play, if effective studies on new male contraceptives – such as conducted through the WHO - are ended early and prematurely? Is hegemonic masculinity inhibiting development of new medications and technologies? Third: How are these technological issues connected to male subjectivities, how do men themselves relate to their reproductive body? Which understanding of masculinity in relation to contraception, reproduction and fatherhood is disclosed in interviews with men?Within perceptions of hegemonic masculinity, does contraception imply a threat to the male self-image or is it integrated as a form of care of the self and care for others?

Author: Fabian Hennig

 

Deutsch

Wenn ein Mann, der ein Spermienventil entwickelt und dessen Prototyp am eigenen Hoden trägt, sich großer medialer Aufmerksamkeit gewiss sein kann, wenn das weltweit größte Männermagazin sich scheinbar ungeduldig fragt „Wann gibt‘s denn endlich die Pille für den Mann?“ (Men‘s Health, 2008) und wenn Manifeste für neue männliche Kontrazeptiva geschrieben werden, dann scheint die stereotype Ansicht, nach der Verhütung Frauensache sei, überholt. Lässt sich der für spätmoderne Gesellschaften konstatierte ‚Wandel der Männlichkeit‘ also auch im Bereich der Verhütung beobachten? Verändert sich hier das männliche Verhältnis zur eigenen Generativität und zum eigenen Körper?

Sowohl hormonelle (Pille für den Mann, Spritzen, Implantate, Gels) als auch nicht-hormonelle (Dragées, reversible Vasektomie, Samenventil) moderne männliche Kontrazeptiva werden seit den 70er Jahren erforscht. Aber, obwohl deren Wirksamkeit in unterschiedlichen Tests bewiesen werden konnte, hat es bisher keines dieser Produkte zur Marktreife gebracht. Die wiederkehrenden Begründungen beim Abbruch von Studien zeichnen ein Bild, dass am ‚Wandel von Männlichkeit‘ zweifeln lässt: Männer seien indifferent und nicht vertrauenswürdig, arztscheu und ängstlich, von Nebenwirkungen eingeschüchtert oder abgeschreckt, sind häufige Erklärungen. Steht also vorherrschende Männlichkeit nach wie vor einem Wandel bezüglich Verhütung entgegen? Sind Männer um ihre (reproduktive) Potenz dermaßen besorgt, dass sie Verhütung weiterhin ihrer Partnerin überlassen?

In seinem Promotionsprojekt untersucht Fabian Hennig am Beispiel des gegenwärtigen Diskurses um neue männliche Kontrazeptiva, inwiefern sich herrschende Männlichkeitskonstruktionen in Bezug auf Verhütung zu ändern beginnen. Dafür geht er folgenden Fragenkomplexen nach. Erstens: Wie werden Männlichkeit und Geschlechterverhältnisse in politischen Manifestationen eines Wunsches nach modernen männlichen Kontrazeptiva gefasst? Verändern sich männliche Selbst- und Körperbezüge, wenn neue Verhütungsmittel für Männer eingefordert werden? Und inwiefern scheint hier ein von Egalität und gegenseitiger Fürsorge getragenes Geschlechterverhältnis auf? Zweitens: Mit welchen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, männlichem Selbst- und Körperverhältnis wird der Abbruch effektiver Studien zu neuen männlichen Kontrazeptiva begründet? Lässt sich in der – von mir exemplarisch im Archiv der WHO untersuchten – Studie der WHO erkennen, ob die bislang vorherrschende Männlichkeit ein Entwicklungshemmnis moderner männlicher Kontrazeptiva darstellt? Und drittens: Wie sieht jenseits dieser politischen und manifesten Ebenen das männliche Verhältnis zum eigenen Selbst und Körper aus? Welches Männlichkeitsverständnis bezüglich Verhütung, Reproduktion und Vaterschaft offenbart sich in Interviews mit Männern? Stellt Verhütung eine Gefahr fürs männliche Selbstbild dar oder kann sie als Sorge um sich und andere in hegemoniale Männlichkeitsvorstellungen integriert werden bzw. diese verändern?

Autor: Fabian Hennig